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Datum: 25.08.2020

ID: 1229

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Zum Gedenken an Dir. i. R. Hofrat Mag. Franz Newald

OStR Mag. Dr. Harald Hitz

Nach einem erfüllten Leben, das über viele Jahrzehnte unserem Gymnasium Waidhofen an der Thaya eng verbunden war, ist unser hochgeschätzter ehemaliger Direktor, Hofrat Mag. Franz Newald, am 19. August 2020 im 90. Lebensjahr verstorben.

Franz Newald wurde am 12. März 1931 in Ladendorf bei Mistelbach geboren. Da er in einer Eisenbahnerfamilie aufwuchs, kam es öfters zu beruflichen Versetzungen seines Vaters. Er besuchte deshalb bis 1945 die Unterstufe der damaligen Oberschule für Jungen in Lundenburg (Břeclav), setzte seine schulische Laufbahn im Bundesrealgymnasium Laa an der Thaya fort, an dem er 1949 die Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte. Anschließend studierte er an der Universität Wien Englisch und Latein, wo er im Jahr 1955 auch die Lehramtsprüfung ablegte.

Nach Absolvierung des Probejahrs am Bundesgymnasium Horn begann Franz Newald im September 1957 seine Unterrichtstätigkeit am Bundesgymnasium und -realgymnasium Waidhofen an der Thaya. 1972 wurde er zum Direktor des Waidhofner Gymnasiums ernannt und leitete die Schule bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991.

Der junge Direktor Franz Newald hatte damals viele Probleme zu lösen. Er übernahm ein Haus, das aus den Nähten platzte, das eigentlich aus zwei desolaten Gebäuden bestand: Aus dem eigentlichen Schulgebäude und aus dem ehemaligen Schülerheim, in dem sehr viele Klassen Platz gefunden hatten. Getrennt waren die beiden Gebäude durch einen graslosen »Sportplatz«. Eine Generalsanierung sowie ein Zubau waren vom Ministerium seit 1958 immer wieder abgelehnt worden. Gerade In den Siebzigerjahren waren aber überdies die Schülerzahlen (Zeit des »Baby-Booms«) stark angestiegen. An Schülern und Schülerinnen mangelte es also nicht, dafür fehlten aber in fast allen Gegenständen die Lehrer/-innen.

Die meisten vorhandenen Lehrer/-innen standen vor ihrer Pensionierung, es gab einen erheblichen Lehrermangel an der Schule. Newald überzeugte oder überredete deshalb viele ehemalige Schüler, noch vor Beendigung ihrer Lehramtsstudien als Sondervertragslehrer am Gymnasium zu unterrichten. 1973 bis 1975 gab es mehr ungeprüfte als geprüfte Lehrer an der Schule. Dadurch löste eine junge, aktive Generation die altgedienten Lehrer ab, wodurch die Schule rasch in modernere Bahnen gelenkt wurde.

Gleichzeitig verfolgte Franz Newald mit steter Beharrlichkeit das Ziel, das Waidhofner Gymnasiumsgebäude in den Prioritätenkatalog der zu sanierenden und zu erweiternden Schulen der Ministerien unterzubringen. Angebotene Billiglösungen, wie etwa einen gesichtslosen Zubau im Stil der Sechzigerjahre neben den schönen Jugendstilbau des alten Gebäudes zu stellen, lehnte er immer wieder mit Vehemenz ab. Seine Beharrlichkeit bewährte sich letztendlich bei der Errichtung des neuen Trakts des Gymnasiums. 1982 begannen die Arbeiten zu Generalsanierung und Zubau, im Juni 1990 konnte die feierliche Eröffnung des nun architektonisch einheitlichen Gebäudes durch Bundespräsidenten und Unterrichtsministerin stattfinden. In langen Verhandlungen mit verschiedenen Institutionen und Gremien ist es Franz Newald damals auch gelungen, den Bau einer neuen Sportanlage durchzusetzen. Aber nicht nur die äußeren Gegebenheiten des Gymnasiums wurden damals erneuert, auch die Ausstattung der Schule mit den nötigen Unterrichtsmaterialien sowie Technologien fand unter seiner Direktionszeit statt – seine technische Begeisterung und seine Kompetenz in diesen Bereichen waren die Grundlage hiefür.

Gleichzeitig fanden unter der Direktionszeit von Franz Newald unzählige Reformen im österreichischen Schulwesen statt. So war etwa das Schulunterrichtsgesetz von 1974, die damals größte innerschulische Reform seit 1945, in die Schulwirklichkeit umzusetzen. Er selbst war nicht von allen Inhalten dieses Gesetzwerkes angetan – er suchte aber immer das Positive darin zu sehen und manchen Skeptikern die Scheu oder Abneigung dagegen zu nehmen. Er stand stets zu seinem auf dem katholischen Christentum basierenden Welt- und Menschenbild und verleugnete nicht seine mit Liberalität gepaarte wertkonservative Haltung. So nahm er als Direktor von allen Professoren und Professorinnen des Gymnasiums an, dass sie ohne seine ständige Kontrolle ihr Berufsethos ernst nehmen und die fachimmanenten Freiräume nicht negativ ausnützen würden. Vielen der Lehrer/-innen, die die Qualifikation der Schüler/-innen auf nicht übliche Weise erhöhen wollten, schuf er dafür Möglichkeiten. Interessierten Mitgliedern des Lehrerkollegiums gewährte er Zeit für Weiterbildung und außerschulisches Engagement – aus der eigenen Erkenntnis heraus, dass nur auf diese Weise zeitgemäßer Unterricht möglich sein kann.

Franz Newald führte also das Gymnasium mit großem Engagement, traf rasch die richtigen Entscheidungen, zeichnete verantwortlich für eine klare Amtsführung und verfolgte seine Ziele für die Schule mit großer Beharrlichkeit. Er blieb auch im Ruhestand mit seiner Schule verbunden. So sprach er noch im Oktober 2019 bei der 150-Jahr-Feier des Gymnasiums launig und rhetorisch packend über seine Zeit als Direktor. Der Titel Hofrat, der Franz Newald im Jahr 1985 vom Bundespräsidenten verliehen wurde, stellte eine wertschätzende Anerkennung seiner vielen Verdienste für das Waidhofner Gymnasium dar. Er wirkte überdies mit großer Tatkraft in verschiedenen Gemeinschaften und Institutionen, vor allem in der Stadtpfarre sowie in der Stadtgemeinde Waidhofen an der Thaya, und sammelte dort unter anderem reiche Erfahrung beim Hausbau (Neubau des Pfarrhofes, Um- und Neubau des Krankenhauses, »Haus der Zuversicht« des Vereins der Eltern behinderter Menschen). Die Stadt Waidhofen an der Thaya, die in kurzer Zeit seine Heimat geworden war, hat Franz Newald sehr viel zu verdanken. Dass alle diese Aktivitäten in Schule und Öffentlichkeit möglich waren, beruhte vor allem auf dem Rückhalt, den Franz Newald in seiner Familie (sieben Kinder), in der ihm seine Ehefrau Rosi immer die nötige Kraft für seine Engagements gab, gefunden hatte.

Die Schulgemeinschaft des Bundesgymnasiums und -realgymnasiums Waidhofen an der Thaya wird sich des ehemaligen Direktors Hofrat Mag. Franz Newald immer dankbar erinnern.

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